Pressemitteilung: „20 Jahre Aal-Besatz – Erfolgreicher Artenschutz mit Vorbildcharakter“

Gemeinsame Pressemitteilung "20 Jahre Aal-Besatzprojekt in Brandenburg – Erfolgreicher Artenschutz mit Vorbildcharakter"

Seit nunmehr 20 Jahren engagieren sich der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V. und der Landesanglerverband Brandenburg e.V. gemeinsam für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung des Aalbestandes. Das landesweite Aal-Besatzprojekt gilt heute bundesweit als Vorbild für erfolgreichen Artenschutz im Binnenland.

Der europäische Aalbestand bereitet seit Jahrzehnten große Sorgen. Insbesondere der Verbau der Flüsse erschwert den natürlichen Aufstieg der jungen Aale erheblich. Wanderhindernisse wie Wehre, Schleusen und Turbinen führen dazu, dass aufsteigende Fische vermehrt Fressfeinden ausgesetzt sind oder in Turbinen zerstückelt werden und somit in großer Zahl verloren gehen. Ohne gezielte menschliche Unterstützung würde der Aal weite Teile seines Binnenlebensraums verlieren. Das Konzept des Aalbesatzes setzt genau hier an: Glasaale werden in Küstenregionen gefangen und in geeignete Binnengewässer eingesetzt. So wird ihnen der lange und gefährliche Weg erspart. Die erhöhte Überlebensrate führt dazu, dass später mehr geschlechtsreife Aale später wieder in Richtung Meer abwandern und so zur natürlichen Reproduktion beitragen. Langfristig ermöglicht dies ein höheres Glasaalaufkommen.

Bereits zu DDR-Zeiten wurden Besatzmaßnahmen durchgeführt, um den Aalbestand zu stützen. In den 1990er Jahren verschärfte sich die Situation jedoch deutlich: Massive Exporte von Glasaalen nach Asien für die Aquakultur führten zu steigenden Preisen und einem drastischen Rückgang der Besatzmengen. Parallel dazu nahm der Fraßdruck durch stark angestiegene Zahl der Kormorane deutlich zu, was nicht nur den Aal-Bestand bis heute zusätzlich belastet. Vor diesem Hintergrund startete die Fischereischutzgenossenschaft Havel Brandenburg unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Ronald Menzel, bereits im Jahr 2006 – noch vor Inkrafttreten der europäischen Aalverordnung (EU-Aal-VO) – ein gemeinsames Pilotprojekt zur Organisation eines koordinierten Aalbesatzes. Das Projekt wird seit Beginn durch das Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow wissenschaftlich begleitet. Dazu gehören die Auswahl geeigneter Gewässer sowie die kontinuierliche Überwachung der Qualität des Besatzmaterials.

Mit der EU-Aal-Verordnung wurden später verbindliche Managementpläne für Flusseinzugsgebiete eingeführt. Diese beinhalten sowohl Einschränkungen der Fischerei als auch verpflichtende Besatzmaßnahmen. In Brandenburg wird diese Aufgabe seit zwei Jahrzehnten erfolgreich von Erwerbsfischern und Anglern gemeinsam umgesetzt – mit finanzieller Unterstützung des Landes Brandenburg und aus Mitteln des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds der Europäischen Union. Die Bilanz ist beeindruckend: Seit 2006 wurden im Rahmen des Projekts rund 136 Millionen Aale in die brandenburgischen Gewässer eingesetzt. Allein im Jahr 2026 waren es 17 Millionen Stück. Zusätzlich hat der Landesanglerverband in diesem Jahr weitere ca. 600.000 Glasaale ausgesetzt, wofür er Eigenmittel und Mittel aus der Fischereiabgabe verwendet hat. „Das Aal-Besatzprojekt zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen Erwerbsfischerei, Anglerschaft, Wissenschaft und Politik sein kann“, erklärt Ronald Menzel, der Initiator des Projekts. „Brandenburg nimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle im Aalschutz ein.“

Auch in Zukunft bleibt der Schutz des Aals eine zentrale Aufgabe. Der Landesfischereiverband und der Landesanglerverband werden sich auch weiterhin für den Erhalt der Wanderfischarten, die Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit und die Fortführung der notwendigen Besatzmaßnahmen einsetzen. „Es war und ist der Mensch, der den natürlichen Wanderweg der Aale zerstört und verbaut hat. Damit steht auch der Mensch in der Verantwortung, Aalen, Forellen und anderen Wanderfischen ihren Lebensraum anderweitig zu erschließen, um diese Arten zu erhalten“, so Günter Baaske, der Präsident des Landesanglerverbandes. „Dieser Aufgabe nehmen wir uns als anerkannter Naturschutzverband gerne an, auch wenn wir im Gegensatz zu anderen Naturschutzverbänden dafür bislang noch keine finanzielle Unterstützung aus dem Landeshaushalt bekommen.“

Das Pilotprojekt zur Wiederauffüllung des Aal-Laicherbestandes im Elbe-Einzugsgebiet wird aus Mitteln des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds gefördert und vom Land Brandenburg kofinanziert.

Gemeinsame Pressemitteilung des Landesanglerverbandes Brandenburg e.V. und des Landesfischereiverbandes Brandenburg e.V. vom 24. März 2026

Fotos: Marcel Weichenhan / LAVB