Pressemitteilung: „Kormoraninvasion im Potsdamer Hafenbecken“

Pressemitteilung: "Ein vernünftiges Kormoranmanagement ist alternativlos"

Am vergangenen Wochenende erlebten wir an der Potsdamer Alten Fahrt und im Hafenbecken eine Kormoraninvasion. So wie an der Havel sah es in diesen Tagen an vielen Fließgewässern Brandenburgs aus. Naturschutz darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören. Ohne ein vernünftiges Kormoranmanagement sind unsere einheimischen Fischarten gefährdet. Falls noch ein Abgeordneter daran gezweifelt hat, dass es dieses Management braucht, dem hätten wir den kurzen Gang vom Landtag zur Langen Brücke empfohlen. Daniel Müller, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes Brandenburg e.V., stand am Wochenende vor Ort für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) Rede und Antwort.

Die Alte Fahrt in Potsdam ist seit Jahren ein beliebter Winterangelspot. Sie ist leicht zu erreichen  und beherbergt im Spätherbst und Winter einen geschätzten Bestand an Plötzen, Barschen und anderen begehrten Speisefischen. Diesem Status wurde leider innerhalb von fünf Tagen ein jähes Ende gesetzt. Während in den letzten Tagen alle Stillgewässer und auch die langsam fließende Havel mit den von ihren durchflossenen Seen vollständig mit Eis bedeckt sind, ist die Alte Fahrt mit dem sich anschließenden Hafenbecken immer noch nicht vollständig zugefroren.

Diese offenen Stellen nutzen bis zu 1.500 Kormorane seit letzter Woche täglich um dort zu jagen und ihren täglichen Nahrungsbedarf von zirka 500 Gramm Fisch zu stillen. Innerhalb kürzester Zeit wurde die massive Konzentration von Fisch vollständig aufgelöst. Diese dauerhafte nachwirkende Schädigung unseres heimischen Fischbestandes ist in dieser Größenordnung nicht durch die Natur zu kompensieren. Damit ist eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer heimischen Fischbestände in keiner Weise mehr möglich.

Die Dosis macht das Gift!

Die Dosis, die hier verabreicht wurde, ist hochtoxisch für alle Wiederansiedlungsbestrebungen von Fischern und Anglern wie zum Beispiel Lachs und Meerforelle in unseren heimischen Fließgewässern. Dieses EU-weite Problem mit dem überzogenen Schutzstatus des Kormorans, welcher in keine Weise mehr gefährdet ist, muss dringend gelöst werden. Wir fordern daher bei den zu erwartenden Koalitionsverhandlungen ein Kormoranmanagement, das insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt.

  • Ein klares Bekenntnis der politischen Vertreter zum Handeln insbesondere die Rückkopplung zur EU.
  • Intensive und detaillierte Datenerfassung aller sich im Land Brandenburg befindlichen Kormorane mit Abgrenzung der Zugkormorane aus anderen Staaten.
  • Nach Auswertung der Datenlage eine Anpassung der Brandenburgischen Kormoranverordnung – BbgKorV unter Berücksichtigung der Ertragsfähigkeit unser Gewässer zur Ermittlung eines dauerhaft angepassten Kormoranbestandes im Land Brandenburg.

Pressemitteilung des Landesanglerverbandes Brandenburg e.V. vom 12. Januar 2026

Fotos: Marcel Weichenhan, Lars Dettmann