Durch die Krise mit den Augen eines Anglers

Liebe Anglerinnen,
liebe Angler,

unserem Hobby nachzugehen, bedeutet in diesen Tagen Ablenkung von dem großen Thema, das uns alle zurzeit begleitet, aber auch, dass man sich zurücknimmt und verantwortungsvoll handelt. Wir Angler haben uns seit jeher als Vorbild in einer Gesellschaft verstanden, in der Fürsorge für andere und gegenseitige Rücksichtnahme nicht immer an erster Stelle standen. Das wollen wir auch in dieser Krise tun. Dabei ist es ebenso wichtig, dass wir diese Zeit als das verstehen, was sie auch ist, nämlich als Chance, um diese Werte, die unser Zusammenleben eigentlich ausmachen sollten, wieder mehr in den Fokus zu rücken.

Das Angeln in Brandenburg ist weiterhin erlaubt. Damit das so bleibt, müssen wir uns an die jetzt geltenden Regeln halten. Noch besser wäre es, nicht unbedingt alle Grenzen auszutesten. Weniger ist in diesen Tagen mehr. Die Angelsaison geht jetzt so richtig los. Ab dem 1. April ist auch die Schonzeit des Hechtes vorbei. Jetzt kommt es darauf an, weiter mit Bedacht zu handeln.

Die Allermeisten von Euch halten sich an die gesetzlichen Vorgaben – z.B. den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Anglern gewährleisten und auch wirklich nur so viel zum Angelplatz mitnehmen wie unbedingt nötig, um angeln zu können. Es müssen ja nicht immer erst Restriktionen kommen. Mit gesundem Menschenverstand kann man im Vorfeld schon sehr viel Unheil abwenden. In diesen Tagen müssen wir uns eben auch von uns aus etwas zurücknehmen, umso schneller können wir dann wieder zur Normalität übergehen.

Als Angler haben wir das Glück, dass wir unserem Hobby auch alleine nachgehen können. Mitunter angeln viele ja deshalb auch so gerne. Angeln kann das sein, was vielen in dieser schnelllebigen Zeit abhandengekommen ist und was viele jetzt notgedrungen wiederfinden, nämlich der Weg zurück zu sich selbst. Beim Angeln kann man ganz bei sich sein. Man kann mal wieder innehalten und sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.

Am Wasser zu sein, kann Dich in einen meditativen Zustand versetzen, bei dem Du fast das Gefühl hast, die Zeit würde auf einmal etwas langsamer ablaufen. Beim Angeln entdeckt und empfindet man die Natur sehr intensiv, da man sich eben Zeit nimmt. Nicht selten bewundert der Angler dann den Tanz der Libellen oder lauscht fasziniert den Rufen der Fischreiher. Wenn dann noch ein Fisch beißt, ist das Anglerglück nahezu vollkommen und man merkt sehr schnell, diese Natur und diese Welt ist es, die wir bewahren müssen. Nicht nur für uns, sondern auch für die nachwachsende Generation.

Wir werden diese Krise gut überstehen. Vielleicht verändert sie auch etwas das Bewusstsein der Menschen, lehrt etwas über die Welt und wie wir sie sehen und wahrnehmen sollten. Das wäre dann in etwa die Welt, wie sie von den Augen eines Anglers gesehen wird.

Euer
Marcel Weichenhan
Chefredakteur des „Märkischen Anglers“

© Foto: Toni Wille

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